Poetry and Prose

Medium: writing

Theme: fear, disappointment, strength, exhaustion, hope

Year: 2023, ongoing

RÖSSER AUS KRISTALL

traurige Väter

links aus ihren Brustkörben blutend

schenken stolz ihren Töchtern

Rösser, Katzen und Rosen aus Kristall

unter dem seufzenden Mond

schmiegen sich die Mädchen

an die ungeheure Wärme und

lächeln in den See der Reflektionen

während ein unschuldiger Schmetterling

auf ihren zarten Schultern rastet

wenn die Soldaten der Enttäuschung

ihre ersten Märsche marschieren

und nur wenn die Sonne zur rechten Zeit scheint

erkennen sie mit ungeflochtenem Haar

und zarte Fältchen um ihre matten Augen

die schreiende Kälte

im funkelnden Kristall

welches schwach in ihren Händen liegt

bevor es zu Boden fällt und

in abertausende Teile zerspringt

Mütter erschrecken

mit schmerzenden Hüften

greifen Besen und Pflaster

jagen den Hund fort

schimpfen mit den Göttern

richten sich mit einem Ruck den Rock

pflegen zwei verletzte Seelen

unter dem seufzenden Mond

und der vibrierenden Sonne

verloren in den eigenen Erinnerungen

SPÄTHERBST

was sagt die goldene Birke

im Spätherbst

wenn die Tanne

stolz ihre Nadeln hütet

was sagt der fröstelnde Bär

im Spätherbst

wenn der Hase

friedlich durch das Laub streift

was sagt der wachsame Storch

im Spätherbst

wenn der Spatz

euphorisch den Winter herbei singt

was sagt der nervöse Lachs

im Spätherbst

wenn der Goldfisch

hoffnungsvoll in die Herbstsonne sieht

HEILEN

ein Grünspecht

lang' nicht mehr gesehen

deine Hand am Glas

die Zitronen

aus unserem Garten

weiße Hortensien

singen dir ein hohes Lied

während der Wind tanzt

streift die Wachsdecke

deine müden Beine

ich mähe

den saftigen Rasen

unter der schwitzenden Sonne

zwischen uns

paar Meter

der Sommer

und ein Raum

ohne Wände und Uhren

der Faden leuchtet Rot

deine Vorfahren

erzählen dir Geschichten

über die Hoffnung

unsere Mütter weinen

der Raum

gefüllt mit Zeit und Wärme

schwebendes Verständnis

ein Nicken

zeigt uns den Weg

ich rieche das Blut

der gemähten Gräser

keine Sorge

sie werden heilen

so wie ich

so wie du

in diesem Sommert

HUNDE II

geprügelte Hunde

suchen ihren Sinn

in sterbenden Sternen

sie bellen

Supernova

in das Nichts

FILZ

wenn die Amsel schläft

und der Fuchs

seine Alimente bringt

fühlt sich das Filz

in meinen Händen

wie eine rollende

Lawine an

STILLE

auch wenn ich den Winter

um seine stolze, unschuldige Schönheit beneide

weine ich um die Stille im Schnee

und ich frag’ mich

ob der Winter

auch manchmal weint

GOLD III

mit einem Mal

wäscht der Regen

zart und bestimmt

dein falsches Gold

fort

was bleibt

ist deine Wahrheit

trüb und trauernd

in meinen Augen

leuchtend

DÄMONEN II

ich sah das Leuchten

deiner durstigen Augen

gestern ruhten sie noch matt

in den Armen deiner Dämonen

die Göttinnen nicken deiner Erschöpfung zu

schöpfen Wasser aus ihren Quellen

fassen sich an die flauen Mägen

lauschen der ungeheuren Stille

schenken dir seufzend ein

mit gebrochenen Herzen

und vollen Krügen

ORT

Dieser glänzend hässliche Ort

ist verdorben und stinkt nach Mord

trotz der schreienden Katzen

hört man nur noch Stille

und das widerliche Schmatzen

In den glänzenden Augen

sehe ich Leere, dann Trauer

meine Klamotten passen mir nicht mehr

einige trinken weinend

den warmen Teer

Flaue Mägen ruhen rastlos im Regen

Gebete bleiben an den Decken kleben

eine Ziege bricht sich das Bein

niemand nimmt sie

zu sich Heim

Einst standen die Götter klopfend

an der bröckelnden Stadtmauer hoffend

heut kochen sie Suppen

für die reichlich Geflohenen

in Gruppen

ORT

Dieser glänzend hässliche Ort

ist verdorben und stinkt nach Mord

trotz der schreienden Katzen

hört man nur noch Stille

und das widerliche Schmatzen

In den glänzenden Augen

sehe ich Leere, dann Trauer

meine Klamotten passen mir nicht mehr

einige trinken weinend

den warmen Teer

Flaue Mägen ruhen rastlos im Regen

Gebete bleiben an den Decken kleben

eine Ziege bricht sich das Bein

niemand nimmt sie

zu sich Heim

Einst standen die Götter klopfend

an der bröckelnden Stadtmauer hoffend

heut kochen sie Suppen

für die reichlich Geflohenen

in Gruppen